Fechtverband Niedersachsen

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In Gedenken an Manfred Smolla

25.01.2016

Die Sportart Fechten fand im Jahre 1927 zum ersten Mal Erwähnung in Soltau, denn am 25. Mai
1927 nahm der MTV Soltau die Sparte Fechten in sein Turnprogramm auf.
Der Uhrmachermeister Adolf Bunke hatte das Sportfechten während seiner Studienzeit in Köln
erlernt und gründete nach seiner beruflichen Übersiedelung nach Soltau eine Fechtabteilung.
Übungsabende waren in Meyers Hotel und später in dem Saal des Hotels Zum Kronprinzen.
Oft weilte der bekannte Förderer des deutschen Fechtsports, Otto Bethmann, aus Hannover in
Soltau. Die Fechtabteilung hatte zu der Zeit ca. 20 Teilnehmer, worunter sich auch schon Damen befanden!

Der 2.Weltkrieg brachte durch Einberufungen den Fecht- wie auch den Turnbetrieb zum Erliegen.
Nach dem Krieg war das Fechten in Deutschland von den Alliierten Mächten verboten worden, und dieser Beschluss wurde erst 1951 wieder aufgehoben. Waffen und Ausrüstungen waren in dieser Zeit schwer zu beschaffen und nur dort, wo noch solche vorhanden waren und nicht durch
Kriegseinflüsse verloren gegangen sind, lebte der Fechtsport wieder auf.

In Soltau war es bis 1957 um das Fechten still geblieben. Erst als Manfred Smolla, damals Landesklassenfechter aus Wolfenbüttel, nach Soltau umzog, war es wieder Otto Bethmann, der seinem damaligen Schüler keine Ruhe ließ, bis er zusammen mit Adolf Bunke am 20.05.1957 eine
Fechtabteilung im MTV Soltau neu gründete. 1960 musste sich Bunke leider aus gesundheitlichen Gründen vom Fechten zurückziehen, so dass Manfred den Trainingsbetrieb alleine fortgeführt hat.
Besonders die Soltauer Damen waren vom Fechtsport sehr begeistert, was sicherlich auch in der
Person Manfreds begründet war! Nach 2 Jahren gab es 40 Fechterinnen im Alter von 16-25 Jahren
und "nur" 15 Fechter. Von dieser "herrlichen" Zeit mit Grillen von Hühnchen an abgebrochenen Waffen usw. hat er uns oft erzählt!

Nach 4-jährigem Studium legte Manfred 1976 seine Fechtlehrerprüfung ab und 1977 wurde er von der Akademie der Deutschen Fechtkunst, auf der Ehrenburg bei Koblenz, zum Dipl.-Fechtmeister gekürt.
Ende 1977 konnte er bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren den ersten Deutschen Einzelmeistertitel für den MTV Soltau nach 113-jähriger Vereinsgeschichte erkämpfen! Es folgten noch viele weitere.

Sein absolut sportlicher Höhepunkt war 1978 das Erringen des 2.Platzes mit der Säbelmannschaft bei der WM der Fechtmeister in Genf und des 3.Platzes bei der WM in Athen.
1998 wurde ihm für seinen steten unermüdlicher Einsatz für die Allgemeinheit, besonders für die Jugend, das Bundesverdienstkreuz verliehen.
1999 gründete er zusammen mit Dr. Hans-Christian Lohmeyer und weiteren Fechtern den Fechtclub Soltau, dem er bis zu seinem Tod auch als Mitglied angehörte.
Neben der sportlichen Arbeit war ihm auch immer die Charakterschulung wichtig, ebenso die Pflege der Gemeinschaft und der familiäre Zusammenhalt, was sich durch viele schöne Feste oder auch nur gemütliches Beisammensein nach dem Training zeigte.
Konzentration und Reaktion, Schnelligkeit, Körperbeherrschung, Disziplin, Sportlichkeit, Eleganz....das alles macht sie aus - die Faszination des Fechtens

Das ist und war seine Begeisterung für das Fechten, mit der er viele von uns angesteckt hat und
diese Begeisterung ist auch an viele unserer eigenen Kinder schon weitergegeben worden!
Viel stärker, als ihm es sicherlich bewußt war, hat er unser Leben geprägt und ich glaube, dass uns
das auch erst heute so richtig klar wird! Seine volle Hingabe und sein unerschütterlicher Idealismus ist uns bis heute ein beständiges Vorbild.

Viele Freundschaften für das Leben sind so beim Fechten entstanden! Für all das danken wir Ihm!
Sein unermüdlicher Einsatz für das Fechten war unglaublich! Aber wie es immer mit Vorbildern ist, sie haben es schwer. Alles wir Ihnen aufgeladen. Er war für die Sorgen und Nöte der Kleinen dar, er hat die Waffen repariert, er war Chauffeur, Obmann, Seelentröster bei Niederlagen,
Journalist, Turnierplanverwalter, Hallenauf- und -zuschließer, derjenige, der die letzten Tüten und Dosen in der Halle weggeräumt hat, vergessene Kleidungsstücke eingesammelt hat und vieles, vieles mehr, was sich im Dunkeln seiner Kammer zu Hause abgespielt hat.
Und........hat man sich bei Ihm bedankt? Wohl eher selten! Noch einmal von ganzem Herzen:
Danke Manfred, für all die Zeit, die Du uns geschenkt hast!


Dr.Hans-Christian Lohmeyer für den Fechtclub Soltau im Januar 2016

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